"Ich habe auch ein Zeugnis für dich!"
- Rigotti Karin

- 7. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Wie Eltern mit einem sehr einfachen Instrument ihr Kind stärken können - vom Zwerg bis zum Maturanten
In einigen Bundesländern gab es gestern die Schulnachricht. Manchen Kindern und Jugendlichen ist das ja nicht so wichtig. Andere aber nehmen diese Nachricht sehr ernst.
Als Elternteil ist es oft nicht so einfach, dem Kind zu zeigen, dass man mit der erbrachten Leistung zufrieden ist: Worte werden zwar gehört, aber sie dringen nicht durch. Sie erreichen nicht den Kern der Persönlichkeit, der ruft "Ich bin nicht genug!", "Ich bin zu faul!" oder gar "Ich schaff nie irgendwas!". Sie meinen, es gäbe nicht viele Jugendliche, die so denken?
Auflösen von Glaubenssätzen
Kaum ein Workshop zum Thema "Zeitmanagement für Jugendliche" oder "Lernen lernen" begann ohne die Klasse zu fragen "Was haben Erwachsene euch schon gesagt, was sich eingeprägt hat?" Hierbei geht es immer darum, alte Glaubenssätze sichtbar zu machen und gemeinsam zu erarbeiten, woher sie kommen - damit sie aufgelöst und ersetzt werden können. Und ja, wir leben in einem defizitorientierten System, das spüren auch schon die Kleinsten. "Das schaffst du nie!" war ein oft zitierter Satz. Eine vielleicht unüberlegte Aussage mit enormer Wirkung, weil sie von Menschen mit Autorität kam.
Aber es geht auch anders. Authentisches Lob kostet uns so wenig und bringt doch so viel. Kinder und Jugendliche zu stärken, bedeutet oft mehr als nur Hoffnung, echte Wertschätzung kann eine ganze Schulbiografie umschreiben helfen.
"Du bist so viel mehr als deine Noten!"
Ein wirklich einfaches Instrument, um zur Schulnachricht ein Gegengewicht zu schaffen und dem Satz "Du bist doch mehr als deine Noten!" begreifbare Substanz zu geben, ist das selbst verfasste Zeugnis. Sie meinen, darüber freuen sich nur die Kleinen? Nein, denn Anerkennung von Leistung und Einsatz tut gut. Authentisch und altersadäquat erklärt, mit vielleicht liebevoll gestalteter Auflistung all der vorhandenen Kompetenzen, die in der Schulnachricht nicht explizit genannt werden. Die dennoch da sind, auch wenn es zur besseren Note diesmal noch nicht gereicht hat.
Welches Zeugnis geben Sie Ihrem Kind?
Wo sehen Sie positive Veränderungen? Welche neuen Einstellungen sind unbedingt erwähnenswert? Was ist besonders schwer gefallen und wo wurde dennoch nicht aufgegeben? - Exakt. Sie überlegen, Sie sehen aus einer anderen Perspektive hin.
Denn aus Ihrer Eigenerfahrung wissen Sie ganz genau: im Leben zählt nicht nur der Erfolg oder Misserfolg. Es zählt vor allem der Weg dorthin und mit wem man ihn geht.
Nehmen Sie sich kurz Zeit: Sie reflektieren auch Ihre Rolle
Sollten Sie für Ihren Sohn oder Ihre Tochter ein "Zeugnis" ausstellen, dann wünsche ich Ihnen viel Freude am kreativen Prozess der Gestaltung. Als Beispiel sehen Sie hier ein Zeugnis für die Kleinen, die sich als Ziel gesetzt haben, den Sprung ins Gymnasium zu schaffen - obwohl die Prognose "Das schaffst du eh nicht!" war. Für Jugendliche werden Sie sowohl ein anderes Layout und anderes Vokabular verwenden: lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf!
Jedenfalls gratuliere ich Ihnen schon vorab, denn Sie ändern gerade ein klein wenig das System. Sie wenden das Blatt von der Defizitorientierung zur wertschätzenden Prozessbegleitung. Sie stärken nicht nur Ihr Kind, sondern auch Ihre Beziehung. Wenn Sie ganz ehrlich sind: Sie sind anschließend auch ein klein wenig stolzer auf Ihr Kind und sich. Ist das nicht wunderbar?




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