Weihnachtsgeschenke für NEETs?
- Rigotti Karin

- 20. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
"Was wünschst du dir zu Weihnachten?" - "Keine Ahnung."
So kann der Dialog in der Vorweihnachtszeit aussehen.
Oder auch ganz anders: klare Ziele, konkrete Interessen, offensichtliche Bedürfnisse zur Wunscherfüllung.
Die Frage der Fragen: was unterscheidet die Gruppen Jugendlicher?

Was wünschen sich Jugendliche? Wer danach fragt, sollte die Antworten auch respektieren wollen.
Sprich: sowohl der Ausbildungs- als auch der Arbeitnehmermarkt sollten sich am Kriterienkatalog orientieren. Dass das zur Zeit nicht der Fall ist, zeigt unter anderem die Rate der NEETS in Europa.
Als NEETs bezeichnet man übrigens "Young people (aged 15-29) neither in employment nor in education and training", auch in Österreich, wo 2024 dieser Wert bei 9,2% lag. Ein, nennen wir ihn diplomatisch, respektabler Wert. Europaweit wird für 2023 auch der Wert von 20% genannt.
Ein einfacher Weg?
Grundsätzlich wäre der Weg in die Besserung der Situation - vor allem für junge Menschen - ein einfacher: wer Ziele entwickelt, der ist motiviert und hat vor allem: Hoffnung. Hoffnung auf Sinnfindung im Arbeitsleben, auf interessante Weiterentwicklung, Anerkennung und Wertschätzung. Doch sind alle dafür nötigen Kompetenzen wirklich die im Bildungssystem erlernbaren?
Zukunftskompetenzen - Shorted List
Was ich in meinem weihnachtlichen Geschenkekörbchen als Kurzlesestoff mitbringe, sind die Ergebnisse der relevantesten Untersuchungen zum Thema Kompetenzentwicklung der jungendlichen Zielgruppe: internationale Organisationen bündeln ihre Analysen im Wesentlichen auf etwa zehn übergreifende Kernkompetenzen, die für Zukunftsfähigkeit, Beschäftigungsfähigkeit und demokratische Teilhabe als zentral geleten. Die Formulieren variieren, inhaltlich überschneiden sich OEDC-Lernkompass, EU-Schlüsselkompetenzen und UNESCO/UN-Bildungsziele sowie WEF-Future-of-Jobs deutlich.
Hier eine Shorted-List:
1. Sprach‑ und Lesekompetenz (Sicher lesen, schreiben, Informationen verstehen und argumentativ nutzen)
2. Mehrsprachigkeit (Funktionale Beherrschung mindestens einer weiteren Sprache für Studium, Arbeit und internationale Zusammenarbeit)
3. Mathematisch‑naturwissenschaftliche Kompetenz (Mathematisches Denken, Grundlagen in Naturwissenschaft, Technik und einfachem Engineering)
4. Digitale und technologische Kompetenz (Digitale Grundbildung, technologische Literalität, Datensicherheit, erste KI‑Kompetenzen)
5. Kritisches Denken und Problemlösen (Analytisches Denken, Urteilen, komplexe Probleme strukturieren und lösen)
6. Persönliche, soziale und emotionale Kompetenz (Selbstregulation, Resilienz, Kooperation, Empathie, Lernkompetenz)
7. Kreativität und Innovation (Neue Ideen entwickeln, gestalten und umsetzen)
8. Bürger*innen‑ und Demokratiefähigkeit (Aktive, verantwortungsvolle Teilhabe, Menschenrechte, Nachhaltigkeit, globale Verantwortung)
9. Unternehmerische Kompetenz (Eigeninitiative, Chancen erkennen, Projekte planen, wirtschaftliche Grundbildung; EU: “entrepreneurship competence”)
10. Kulturelle und ästhetische Kompetenz (Kulturelle Awareness, Ausdrucksformen verstehen und selbst gestalten; Identität, Kreativität und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken)
OECD ergänzt diese Felder explizit um drei „transformative Kompetenzen“ ( neue Werte schaffen, Spannungen/Dilemmata ausbalancieren und Verantwortung übernehmen), welche alle genannten Kompetenzbereiche umarmen.
Simpler Rückschluss, schnelle Lösung?
Gleicht man nun ganz einfach die Auflistung der Zukunftskompetenzen mit den NEETS-Anteilen ab, wäre der simple Rückschluss: die Berufswege scheinen unklar und die Übergangsbegleitung scheint zu fehlen. ILO betont auch die gestiegene Zukunftsangst, da viele junge Menschen trotz Rekord‑Bildungsstand keinen Zugang zu “decent jobs” finden.
Nun, ganz so einfch funktioniert es leider im Leben nie.
Das Bildungssystem hätte in diesen Ergebnissen klare Aufträge impliziert, die Reformen brauchen Zeit, die Jugendlichen wollen - berechtigterweise - jetzt die benötigten Veränderungen zur noch notwendigeren Motivation.
Alternativ wachsen die Zahlen der NEETs, die übersetzt und elastisch interpretiert bedeuten können "Ich möchte, aber ich weiß nicht wie" bis hin zum "Ich bin überqualifiziert und weiß nicht, warum" . Ich erinnere an den Blogbeitrag zur Drop-Out-Quote der Lehrlinge mit der häufigst genanntesten Begründung "Ich werde ja nicht mal gesehen!" und ja, auch ich habe als Koordinatorin eines Projektes zur Unterstützung Kärntner Lehrlinge diesen Satz in fast jedem Coaching von den Jugendlichen gehört.
Ihr Kind ist mehr als nur eine Zahl in der Statistik
Sofern Ihr Kind eine Zahl in diesen Statistiken darstellt, wissen wir ganz genau:
Menschen sind mehr als Zahlen. Kinder und Jugendliche sind weit mehr als ein Punkt im Stichtagsbestand. Wie Sie Ihrem jugendlichen Kind helfen können, einen motivierten und erfolgreichen Weg raus aus der NEETS-Statistik zu finden, können Sie gerne in den nächsten Blogs lesen.
Bis dahin lautet die Antwort auf die eingangs gestellte Frage:
"Weihnachtsgeschenke für NEETS" sind alle Maßnahmen und Erlebnisse, die Ressourcen erkennen und benennen, Stärken spüren und Hoffnung entstehen lassen können." Zeigen Sie sich kreativ, lassen Sie Neues erleben, Leidenschaft spüren und Neugier wieder wachsen. Am besten gemeinsam.



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